Reise blog von Travellerspoint

14. Zwei Seiten der selben Medaille

Zwei Tage, Zwei Demostrationen! Einmal den wahren Willen, der Bevölkerung, einmal die Regierungsseite!
So viel habe ich bisher live mitbekommen. Lasst uns diese beiden Gesichter doch mal vergleichen!

Montag, 15.6.2009, In einem Wort: Überwältigend!!!

Am Abend zurvor fand der inzinierte Siegesumzug von A. (Ich hasse es, diesen Namen zu tippen, deshalb immer nur die Ankürzung!) statt. Andere Versammlungen auf den Straßen waren deshalb nicht möglich. Die Leute schrien sich stattdessen auf den Balkons und Dächern den Unmut von der Seele! Immer wieder ertöhnten laute "Gott hilf uns!"-Rufe.
Für uns hat dieser einfache Satz kaum eine Bedeutung. Wenn man aber weiß, dass diese Rufe das letzte Mal in dieser Intensität beim Beginn der Revolution vor 30 Jahren benutzt wurde, dann bekommt man einen ganz anderen Eindruck und realisiert, wie ernst es den Leuten ist!

Doch erst als wir am späten Nachmittag die nahegelegene Engelab Street erreichten, bekam dieser Widerstand ein Gesicht. In einem nicht endenwollenden Strom zogen die Leute an uns vorbei! In den 2 Stunden die wir dort am Straßenrand verbracht haben, gab es nicht einen Moment der Ruhe. Immer wieder flammten Jubelrufe auf und die Massen klatschen sich rauf zum Engelab und Azadi Square voran.
Neben der schieren Menge, es müssen mindestens 3.000.000 Menschen auf den Beinen gewesen sein, beeindruckte besonders die Zusammensetzung. Bisher wurde immer gesagt, nur die Jugend würde sich auflehnen. Es stimmt zwar nach wie vor, dass viele junge Leute unterwegs sind. Aber das Wort "nur" ist hier ungefähr so fehl am Platze wie ein Eisverkäufer im tiefsten Sibirien. Denn die Jungend, Männer UND Frauen, wurde durch alle Alters- und Sozialschichten verstärkt. Wir haben kleine Kinder auf den Schultern ihrer Väter gesehen. Ganze Familien waren unterwegs. Inklusive Großvater und Großmutter. Passanten bekundeten ihre Sympathien oder schlossen sich spontan an und folgenten den Anderen. Aktenkoffer ließen darauf schließen, dass viele direkt vom Büro auf die Straße gekommen waren! Ja selbst, Leute mit Krücken und Rollstuhlfahrer ließen es sich nicht nehmen, den Protest zu unterstützen!

Alles in allem wurde einem deutlich bewusst, wie viele Leute hinter dieser tiefen Sehnsucht nach Veränderung stehen!

Dienstag, 16.6.2009, in einem Satz: Gewollt, aber nicht gekonnt!

Um den Aufmarsch richtig bewerten zu können, sollten wir erst nochmal über den "Siegeszug" vor zwei Tagen sprechen. Damals wurden aus den umliegenden Städten, die Leute mit Bussen herangeschafft, damit man eine halbwegsansehnliche Menge an A.-Anhängern zusammen bringen zu konnen. Dies ist wohl auch mehr oder weniger gut gelungen. Jedenfalls hat es gereicht um das Märchen der grandiosen Wiederwahl von A. mit ein paar Bildern zu untermauern.

An diesem Tag bot sich jedoch ein ganz anderes Bild!
Offensichtlich wurde versucht Schauspiel zu wiederholen. Nur "leider" ist es nicht gelungen. Auf dem Weg zum Valyasr-Square kamen uns nur vereinzelt ein paar Leute entgegen, die stumm ihre Plakate vor sich hertrugen! Von Begeisterung und spontanem Beifall keine Spur. Die Ankunft am Platz selbst offenbarte dann schnell, wie lächerlich der Versuch war. Nicht mal der ganze Platz war voll! Sehr großzügig geschätzt waren um die 1000 Leute vorort. Nein, ich habe keinen Nullen vergessen! Es war wirklich so wenig los!
Dafür war alles jedoch tipp topp vorbereitet. Überall waren Lautsprecher aufgestellt, damit man auch ja kein Wort des großartigen A. verpasst! Es gab kleine Stände, an denen man kleine Snacks und Getränke kaufen konnte. Selbst Absperrungen waren geöffnet worden, damit sich Leute in scheinbarer Begeisterung auf einen der Wassertanks schwingen konnten.
Klar, so ein Bild auf dem Leute hoch oben über den Anderen ihre Fahnen schwingen, ist goldwert! Schließlich zeigt es doch wie groß die Unterstütung ist! ODER???

Im Nachhinein kann ich die Kameraleute jedoch nur bewundern. Denn im Fernsehen wirkte dieses kleine Versammlüngchen wirklich groß und beeindruckend.

Die wahre Versammlung an diesem Tag fand jedoch von Musavianhängern am Vanak Square statt. Und zwar ohne Busse!!! Diese bedurfte es nicht um den deutlich größeren Platz zu füllen. Die Leute sind einfach da!

Tagsüber ist derweil alles recht friedlich. Denn die brutal Schlägereinheiten (Anders kann ich sie wirklich nicht nennen) der Regierung treten erst nach Anbruch der Dunkelheit in Aktion. Dann jedoch um so gewalttätiger. Mit Polizeiarbeit hat das nichts zu tun! Es geht darum die Leute einzuschüchtern und so daran zu hindern auf die Straßen zu gehen. Deshalb wird auch vor Frauen und alten Menschen nicht halt gemacht.
Wie ich erst heute Erfahren habe, wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag das Studentenwohnheim in Amir Abad, eines der Größten, nahezu komplett von diesen Einheiten zerlegt. Mitten in der Nacht wurden 18 der 20 Gebäude gestürmt und auf den Kopf gestellt. Die Studenten verjagt (oder schlimmeres) und deren Eigentum zertrümmert.
Seit dem stellt sich nun auch die Uni Teheran offen gegen diese Ungerechtigkeit Der Dekan der Elektrotechnikfakultät hat aus Protest sogar sein Amt niedergelegt.
Sämtliche Prüfungen wurden abgesagt und die Studenten nach Hause geschickt!

Unser kleines Wohnheim hat sich seit dem weitestgehend geleert. Bis auf unsere kleine Truppe von 5 buntgemischten Ausländern ist kaum noch wer da. Und so sitzen wir abends in unserer Bude und versuchen uns mit Galgenhumor bei Laune zu halten.

So viel erstmal für heute!
Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, aber dafür reicht die Zeit nicht! Schließlich muss ich ganz nebenbei noch etwas weiterarbeiten.
Denn der Arbeitsalltag wird nur in sofern beeinflusst, als das morgens erstmal die neuesten Infos ausgetauscht werden, besprochen wird, was heute wo passieren wird und wo man nach der Arbeit hin muss.
Für heute ist scheinbar Haft-e-Tir geplant! ;-)

Spätestens am Samstag wird es dann hoffentlich einen Bericht geben, was beim Freitagsgebet passiert ist. Denn hinter vorgehaltenen Hand munkelt man, dass dort die Proteste das erste Mal gegen über dem Obersten Imam direkt äußert werden. Wenn es gelingt dort zu demonstrieren, dann wird es wirklich sehr schwer es zu verheimlichen oder als "Ärger wie nach einem Fußballspiel" abzutun!

Von mir persönlich nur kurz soviel, dass es mir nach wie vor gut geht und ich sicher bin!

Eingestellt von TDB 2:54 AM Kommentare (0)

13. Aus gebenem Anlass

Es fälllt mir zu schwer nun über das Wochenende in Shiraz zu berichten, deshalb erstmal so viel: Es war wirklich schön und ich habe es genossen!

Um so größer war dann der Schock, als wir dann am Samstag morgen wieder in Teheran waren und im Radio die ersten Wahlergebnisse hörten. 18 Millionen Stimmen für Achmadinejad bei ca. 60% ausgezählten Stimmen. VÖLLIG unmöglich. Untersuchungen im Vorfeld der Wahlen haben gezeigt, das A. allerhöchsten 15 Millionen alles Stimmen bekommen kann. Genauso unwahrscheinlich war es auch, dass Musavi nur 9 Millionen Stimmen bekommen hat. Bei der ersten Veröffentlichung gab es zudem auch noch mehr als 100% Stimmen. Dank mathematischer Leistungen, ergaben die einzelnen Prozentanteile der Kandidanten einen Wert von ca. 102%!
Im Laufe des Tages wurde das Bild dann immer klarer, dass die Wahlergebnisse können nicht der Wahrheit entsprechen können. Das Endergebnis von 24 Millionen für A. 13 Millionen für Musavi, 3,2 Millionen für Rezaii und ca. 300.000 für Karubi sind so sehr verfälscht, dass man eigentlich schon von dieser Dreistigkeit beeindruckt ist. Dieses Lügenmärchen wird nun aber offiziell verfolgt und intensiv ausgelebt! A. feiert sich als den großen Gewinner und geht auf die Proteste gar nicht ein. Der Oberste Imam Ali Khamenei hat das Ergebniss anerkannt und rief die Bevölkerung dazu auf friedlich zu bleiben.
Das Fernsehen hier ist komplett staatlich und zeigt nur die offizielle Geschichte. So bekommen ländliche Regionen nur diese Nachrichten. Ausländische Medien, wie BBC Persia, berichten zwar durchaus kritisch über die Ereignisse. Doch das Problem ist, dass längst nicht jeder Haushalt einen Sat-Receiver besitzt oder die Sender inzwischen nicht mehr empfangbar sind.
Auch das Internet wird wieder verstärkt gefiltert. Dutzende Nachrichtenseiten, inländisch wie ausländisch, sind geblockt und unzugänglich. Hinzukommen Websites wie Facebook und Twitter. Diese wurden bisher genutzt um Nachrichten über die Geschehnisse in den verschiedenen Städten zu verbreiten.
Am Samstag konnte man besonders in Facebook genau verfolgen wie sie der Unmut aufbaute. Anfangs gab es noch wenige Statusmeldungen, die sich auf die Wahl bezogen. Dann wurden es mehr und es wurden erste Bilder und Kommentare gepostet. Dann wechselnten immer mehr Profilbilder zu einem einzigen Satz auf grünem Grund: "Where is my vote?" Jeder der neues Material über die Wahl bekommen hat, hat es sofort verbreitet, damit alle es wussten.
Noch in der selben Nacht wurde die Seite dann gesperrt und einer der wichtigsten Kommunikationswege ausgeschaltet.
Ein anderer Weg sind Sms-Nachrichten! Genau, ihr habts bestimmt schon erraten, auch dies wurde unterbunden hält nachwievor an. Und was glaubt ihr wann? Am Samstag? Irgendwann, als es losging? Nicht ganz! Schon am Vorabend der Wahl war es nicht mehr mäglich Sms zui verschicken. Am Samstag kam dann "nur" hinzu, dass zeitweise auch mobiles Telefonieren nicht möglich war, internationale Gespräch verhindert wurden und die generelle Geschwindigkeit des Internets herutergesetzt wurde.
Es drängt sich gaaaaaanz leicht der Verdacht auf, dass alles von langer Hand geplant ist, oder? Wenn man dann noch sieht, wie geschult die Polizei mit der Situation umgeht. Vergisst man jeden Gedanken, das die Wahl echt war!

Aber nochmal zurück zu den Ergebnissen!
Die bergen nämlich etliche interessante Merkwürdigkeiten in sich!
1.
Es ist sehr auffällig, das im zeitlichen Verlauf der Auszählungen keinelei Auschläge für einen der Kandidaten ist. Entlang einer schnurrgeraden Linie hält sich die Verteilung konstant auf der gleichen Stimmverteilung.

2.
Nicht einmal in seiner Heimatstadt Tabriz hat Musavi eine Mehrheit gehabt!

3.
Es gab vor der Wahl Untersuchungen was bei verschiedenen Wahlbeteiligungen möglich ist. Diese besagten, dass bei einer Wahlbeteilugung von unter 50% A. gewinnen würde. Liegt die Beteiligung zwischen 50 und 70% kommt es zu einer Stichwahl. Ab etwa 75% gewinnt Musavi klar die Wahl.
Kennt ihr die Zahl der Wahlbeteiligung? Es waren 85%!
Und warum war es so hoch? Weil jeder sichergehen wollte, dass A. nicht wieder gewählt wird.
Dazu muss man wissen, dass sie Beteiligung vor 4 Jahren recht gering war. Weil es keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten gab, haben viele gar nicht gewählt, weil sich nicht für A. stimmen wollten. Da kommt es einem doch schon sehr eigenartig vor, dass nun genau diese Leute, die vor 4 Jahren nicht gewählt haben nun plötzlich zu den Urnen rennen, um für A. zu stimmen!
Selbst Politiker, die A. vor 4 Jahren noch unterstützt haben, wenden sich nun von ihm ab oder sogar gegen ihn.

4.
Mein Favorit: Karubi ist der Anführer einer Partei mit über 1 Million Mitgliedern im Iran. Da fällt es doch schwer zu glauben, dass von diesen Mitgliedern nicht mal ein Drittel ihren eigenen Kandidaten gewählt hat.

In Teheran wurden nun Zahlen veröffentlicht, die angeblich die wahren Ergebnisse widerspiegeln sollen. Diese sind bei Miniaterium für Inneres durchgesickert und zeichnen ein ganz anderes Bild:
Platz 1: Musavi (19 Millionen Stimmen)
Platz 2: Karubi (13 Millionen Stimmen)
Platz 3: Achma. ( 6 Millionen Stimmen)
Platz 4: Rezaii ( 3 Millionen Stimmen)

Wie verlässlich diese Werte sind, lasse ich nun mal offen. Doch Fakt ist, dass sie den Willen der iranischen Bevölkerung wieder spiegeln.
Es herrscht eine Art Aufbruchstimmung, weil sie es satt haben in allem zu reglementiert zu werden.

Inwieweit sich die Proteste nun halten können ist wiederum recht fraglich. Denn es gibt keinen Anführer, die die Proteste lenken und zusammenführen kann. Nicht in Teheran und schon gar nicht im ganzen Land. Deshalb stehen die Leute nachts auf ihren Dächern und schreien sich bar dieser Ungerechtigkeit die Seele aus dem Hals. Einige gehen auch raus auf die Straßen, doch die Polizei geht sehr rigoros vor und lässt keinen Zweifel an dem Willen der Führung die Proteste notfalls nieder zu schlagen. Dazu sollte man auch wissen, dass in den Straßen auch viel Polizei in zivil unterwegs ist und notfalls eingreifen kann. Deshalb sieht man oft auch Bilder, in denen scheinbar Zivilisten auf andere Zivilisten einschlagen!

Ich selber kann mich bisher sehr gut aus den Protesten raushalten.
Ich gehe früher von der Arbeit nach Hause, so dass ich sicher in unserer Unterkunft bin, wenn die Proteste in den Straßen losgehen! Die Leute, sowohl von AIESEC als auch von meinem Unternehmen, sind sehr besorgt um mich und kümmern sich sehr gut um meine SicherheitEs besteht also keine Gefahr!

So viel erstmal von hier! Jetzt muss ich leider Schluss machen und zu sehen, dass ich nach Hause komme!

Eingestellt von TDB 3:12 AM Kommentare (2)

12. Wahlen im Iran

Ich weiß nicht genau, wie sehr in unseren Medien über die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen berichtet wird. Aber hier ist es ein äußerst emotionales Thema. Besonders dieses Mal!

Es gibt 4 Kandidaten:
Die beiden Stärksten: Ahmadinejad (A.) und Musavi (M.)
Und zwei Schwächere: Karubi (K.) und Rezaii (R.)
(Ich hoffe, euch kommen die Abkürzungen entgegen!)

In den letzten 4 Jahren hat A. das Land scheinbar ziemlich in den Ruin getrieben. Die Inflation erreicht schwindelerregende Rekorde und die Rechte der Bürger wurden immer stärker von der Islamischen Führung beschnitten und scharf kontrolliert. Deshalb will fast jeder verhindern, dass A. auch die nächsten 4 Jahre so weitermacht. Nur einzelne wollen ihn nochmal 4 Jahre haben, weil sie die Hoffnung vertreten, dass die Stimmung dann entgültig gibt und es zu einer neuen Revolution kommt, in der die islamische Führung gestürzt wird. Aber das sind leider eher verrückte Ideen.

In Teheran und den größeren Städten ist die überwältigende Mehrheit für den Kandidaten Musavi. Dieser war schon in sehr jungen Jahren Premierminister unter dem vor-vorherigen Präsidenten und wird nun auch von eben diesem unterstützt. Er ist zwar ziemlich populistisch und verspricht den Leuten das, was sie hören wollen. Außerdem gibt es wohl ein paar unsaubere Angelegenheiten in seine Vergangenheit. Aber die Leute vertrauen auf ihn, dass er die Wende bringt, die sich die Iraner so sehnlich wünschen.
Jeden Abend wird bis spät in die Nacht auf die Straßen gezogen und lautstark für Musavi geworben. Sie verteilen Flyer, Poster, sogar CDs von ihm. Das Zeichen für die Musavi-Anhänger ist alles was grün ist. Musavi ist es mit diesem einfache Mittel, dass er die Farbe grün zu seiner Farbe gemacht hat, gelungen, dass sich die Leute sehr einfach erkennen können. Und so sieht man in den letzten Tagen GRÜN!!! Grüne T-Shirts, grüne Kopftücher, grüne Bändchen, alles ist irgendwie grün!
Kritisch wird es nur dann, wenn diese auf die A.-Anhänger (die übrigens angeblich dafür bezahlt werden!) treffen. Zwar bleiben körperliche Auseinandersetzungen bisher aus. Aber dennoch wird ein etwas mulmig, wenn man sich durch diese Massen kämpfen muss, um nach Hause zu kommen.

Je näher wir der Wahl am Freitag kommen, desto emotionaler werden die Leute. Auf den Straßen ist in jeder neuen Nacht mehr los und abends gibt es täglich eine Debatte mit zwei der Kandidaten. Auch von der Tatsache, dass ich nicht verstehe, was sie sagen abgesehen, ist das Konzept eher langweilig. Beide Kandidaten haben bestimmte Zeitvorgaben und können in der Zeit was erzählen. Dann ist der Andere dran und kann darauf Antworten. Die Zeitvorgaben sind jedoch so lang, dass richtig ausgeholt wird und keine wirklich Spannung aufkommt. Den Iranern gefällt es trotzdem und hocken jeden Abend vor den Bildschirmen. Was dabei sehr auffällig ist, ist wieder der Kampf der 3 restlichen Kandidaten gegen A. Entweder er wird direkt angegriffen, oder es geht gemeinsam gegen ihn, wenn er nicht dabei ist.
Besonders interessant war die Debatte von K. gegen A. Denn dieser hat A. quasi völlig ignoriert und statt mit ihm ÜBER ihn geredet. Das hatte selbst für mich einen Unterhaltungswert!

Wenn ihr mich nun fragt, wer die beste Wahl ist. Ich weiß es nicht!
A. sollte nicht wieder gewählt werden, aber bei den anderen weiß ich nicht wer da nun der Beste ist.
Zur Gewichtigkeit der Wahl muss man auch sagen, dass es nicht zu dem grundlegenden Wechsel kommen wird, den viele, besonders Jungendliche, erwarten. Der Rahmen wird auch nach der Wahl der Gleiche sein. Jedoch kann das Bild darin in gewissen Grenzen neugestaltet werden.

Der Jugend eröffnet die öffentliche Unterstützung übrigens ganz neue Möglichkeiten einer ganz anderen Art. Nicht etwa politisch, sondern viel mehr zwischenmenschlicher Natur. Generell gibt es hier nicht viele Möglichkeiten, wie man sich kennengelernen kann. Durch die Wahlen gibt es eine ganz neue und vielversprechende Option. Zwischen den MU-SA-VI-Schreien lässt es sich hervorragend flirten. In den letzten Tagen wurden ganz sicher Tausende Nummern getauscht.
Ganz ohne Farsi zu sprechen, bekomme auch ich ab und an mal eine! Mal sehen ob da noch was geht!?! ;-)

Soooo jetzt habe ich euch erstmal genug zu lesen gegeben, so dass ich in Ruhe morgen Abend für ein paar Tage nach Shiraz fahren kann!
Den Bericht gibts dann nächste Woche zusamm mit einer kleinen Nachlese von meinem Ausflug nach Esfahan!

Euch noch ne schöne Woche!
Bis bald!

Eingestellt von TDB 9:13 PM Kommentare (2)

11. Pimp my Ride "I.R. Iran"

Ich wollte euch noch was zu den Autos hier im Iran erzählen. Ganz kann ich meine Maschinenbauambitionen halt nicht sein lassen! ;-)

Das Spektrum der Autos reicht von älter als ich ohne Moterhaube, dafür aber mit unzähligen großen und kleinen Beulen bis hin zum großen Land Rover Prado. Das wahrscheinlich beliebteste SUV hier.
Von den wirklich Neuen mal abgesehen, gilt grundsätzlich: Außen pfui, innen hui!!!
Selbst in den ältesten Karren findet sich ein mindestens CD-fähiges Radio, das locker mit jedem in Europa mithalten kann.
Der Grund dafür ist ganz einfach. Alles was draußen ist, kann kaputt gefahren werden. Was wie schon öfter erwähnt nicht selten vorkommt. Alles was drin liegt, ist zumindest vor äußeren Einwirkungen geschützt und somit lohnt es sich Geld zu investieren. Außer dem Radio ist eine Art Teppich oder Platzdeckchen für das Armaturenbrett hier sehr beliebt. Hinzukommen alle Formen von Figuren und kleinem Nippes, den man sich ins Auto stellen kann.
Die selbstgehäkelten Klorollenhalter auf der Hutablage bleiben aber eine deutsche Tradition!

Ein Wort noch zur Vorfahrtsregelung.
Bei uns hat der der Stern oft noch mehr Rechte als alle anderen Verkehrsteilnehmer. Auch wenn diese Vorherrschaft aus München und nicht zu letzt Ingolstadt arg attakiert wird.
Hier geht es einzig und allein nach Größe oder noch besser, danach, wie teuer ein potenzieller Unfalll werden könnte. Je teurer dein Autos ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man dir den Vorrang lässt. Denn nimand will die Reparaturkosten übernehmen. Diesen Vorteil habe sogar ich bei meiner kleinen Spritztour erlebt.
Die einzige Ausnahme bilden auch hier wieder die Motorräder! Die sich überall durch die Straßen wuseln. Auch hier ist der Hintergrund wieder sehr einfach. Wenn ein Motorad in einen Unfall verwickelt ist, bekommt automatisch das Auto die volle Schuld. So genießen die Motorräder absolute Narrenfreiheit. Welche sie mit Freude ausnutzen. Alles was in Deutschland verboten ist, ist hir möglich. Rote Ampeln, rechts abbiegen verboten, kein Platz zum durchkommen, Durchfahrt verboten,... all das hat für die keine Bedeutung. Wenn die Straße zu voll ist, dann weicht man halt auf den Gehweg aus. Für Motorradfahrer gibt es hier wirklich keine Grenzen!

Der Iran hat übrigens auch eine Abwrackprämie. Allerdings bekommt man die erst nach 30 Jahren! ;-)

Eingestellt von TDB 9:33 PM Kommentare (0)

10. King of the road

Wir kommen gerade aus der Stadt wieder und es war unglaublich! Mitten in dicksten Rushhour habe ich für ca. eine Stunde das Auto durch die vertstopften Straßen Teherans gelenkt. Ohhh man innerlich zittere ich noch immer etwas! Es war wirklich eine Erfahrung. Der Verkehr hier ist wirklich chaotisch. Immer wieder wird man geschnitten oder es drängelt sich jemand die in die nicht vorhandene Lücke.
So bin ich dann auch vom König der Straße zum blutigen Anfänger geworden. Oder jedenfalls habe ich mich so gefühlt. Es kribbelte zwar in den Fingern sich an den hiesigen Fahrstil anzupassen. Aber dafür fehlte zum einen die Vertrautheit mit dem wirklich ziemlich großen Wagen (quasi die S-Klasse von Toyota), zum anderen dann doch der Überblick über den Verkehr. Wie gesagt man kann sich auf nichts verlassen. Nicht mal die grundlegensten Regeln werden zwangsläufig eingehalten. Besonders die kleinen Motorräder können überall plötzlich auftauchen, Einbahnstraße, Bürgersteig oder einfach nur aus ihrgendeinem kleinen Loch. Man weiß es nie!
Ein Blick zur Besitzerin des Wagens hat mir dann nochmal zusätzlich verdeutlicht, ich sollte es besser ruhig angehenlassen. Nur manchmal wenn ich doch mal ne passende Lücke gesehen habe, musste der Kick-down des Automatikgetriebes dranglauben!

Erst später habe ich dann erfahren, dass diese kleine Spritztour ziemlich böse hätte enden können. Denn ohne internationalen Führerschein fahre ich hier ohne gültige Fahrerlaubnis und das ist nicht unbedingt die beste Idee. Nicht in Europa und schon gar nicht hier!

Wenn ich das Auto jedoch verlasse und zu Fuß unterwegs bin, sieht die Sache schon ganz anderes aus. War ich in Deutschland noch einfacher Ampelverweigerer und stets nach schnelleren Wegen gesucht habe, die Straße zu überqueren. So habe ich hier meine Berufung gefundenund diese Suche zur Perfektion getrieben. Inzwischen überquere ich selbst 6-spurige Straßen schneller als jeder Iraner und größere Kreuzungen oder Plätze kann man auch diagonal überqueren.
Es hilft dabei ungemein, wenn man sich keine großen Gedanken um das "Was wäre wenn" macht.

Eingestellt von TDB 9:25 PM Kommentare (2)

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