9. Abendgestaltung im Nirgendwo
06.06.2009
Montag, 25.5. 2009, zurück auf dem Boden, auf dem Balkon in unserer Wohnung
So langsam komme ich auch mental wieder auf dem Boden an und alles setzt sich langsam.
Natürlich musste ich mich erstmal lange mit den anderen austauschen. Was ist hier passiert, was war bei mir so los. Und zeig mal deine Bilder von!
Bevor ich jedoch nicht eine Dusche genommen hatte, war mit mir nicht viel anzufangen. Davor hatte ich das Gefühl, ich reihe bloß leere Worte aneinander.
Inzwischen sitze ich auf dem Balkon und lasse den Abend für mich ausklingen.
Ich wollte euch von der Abendgestaltung berichten.
Mein Unternehmen hat 2 Gästehäuser in der kleinen Stadt nahe der Site. Eines ist für die jüngeren Mitarbeiter, die sich allesamt Supervisor für irgendwas schimpfen. Dieses Haus wurde auch Disco genannt, weil wenn was passierte, dann da! Wie das mit Discos so ist, hingehen ist ja schön, aber dort leben muss nicht sein. Deshalb war ich nicht böse, dass ich im anderen Haus untergebracht wurde. Zwar waren die Leute dort im Schnitt 20-25 Jahre älter als ich. Dafür war das Hause aber deutlich sauberer und gepflegter. Und es gab einen jungen Angestellten, der für das Haus und die Bewohner sorgte. Das war schon ein Luxus, an den man sich allzu schnell gewöhnen konnte.
Wie schon erwähnt, durfte ich das Haus allein nicht verlassen und meine Mitbewohner eher im gesetzteren Alter. Deshalb war abends nicht so wirklich viel los. Man saß gemeinsam vorm Fernseher und hat auf das Abendessen gewartet. Nicht wirklich spannend, aber die paar mal, die ich abends noch in der Stadt war, zeigten schnell, dass draußen eh nicht viel los war! Ich habe also nicht viel verpasst.
Unterbrochen wurde dieses Programm nur durch gelegendlich Besuch der "Disco". Diese Besuche waren mit unter sogar wirklich interessant. In gebrochenem Englisch habe wir über vieles gesprochen. Eine Frage, an die ich mich jedoch nie gewöhnen werde, obwohl sie mir so oft gestellt wird ist. "Findest du nicht, dass Hitler ein guter Mann war?!?" Beim ersten mal war ich so baff und geschockt, dass ich wirklich einen Moment brauchte, bis ich ein konsequentes NEIN rausbringen konnte. Ich wurde und werde hier immer wieder mit diesem Thema und dieser Frage konfrontiert. Es ist für mich als Deutschen sehr schwer ernsthaft mit den Leuten über dieses Thema zu diskutieren. Zu mal es da eigentlich nicht viel zu diskutieren gibt. Viel mehr versuche ich den Leuten die Augen zu öffnen und leiste Aufklärungsarbeit. Hier bin ich das erste Mal froh, dass mich dieses Thema bis in den Geschichts-LK verfolgt hat.
Aber kommen wir wieder zu angenehmeren Themen!
Die Beste Abwechslung waren 2 Barbeques (BBS). Das Fleisch, das wir abends grillten, war am Morgen scheinbar noch lebendig. Frischer geht es also kaum. Das kleingeschnittene Fleisch wurde martiniert und dann auf lange Metallspieße gesteckt und über die Kohle gelegt. Mit etwas Salz und Brot entstand so das leckerste Essen, dass ich dort unten zu mir nehmen durfte. Zusammen mit der entspannten Stimmung hatten wir so wirklich eine schöne Zeit!
Kurze Einwand zum Essen auf der Site:
Jedes Gericht bestand aus verkochtem, geschmacklosen Reis mit irgendwelchen Beilagen. Meist schlecht gemachtes Kebab. Es ist halt Kantinenessen.
Jedoch hat dieser übermäßige Konsum dazu geführt, dass ich wirklich keinen Reis mehr runterbekomme. Sowas ist mir wirklich noch nie passiert. Aber seit der Zeit auf der Anlage kann ich nicht mal mehr gutgemachten, eigentlich leckeren Reis mehr essen. Es geht einfach nicht mehr!
Der Chinese ist für mich also erstmal gestrichen! ;-)
Abadan
Der letzte Freitag vor meiner Rückreise nach Teheran haben wir genutzt und haben einen Ausflug in die Grenzstadt Abadan unternommen. So zuckelte ich also mit dem Sitemanager und zwei der Supervisor über die kilometerlang geradeaus verlaufende Straße und habe nebenbei einiges über die Vorgaben und die Planungsfehler unserer Anlage erfahren.
In Abadan angekommen stand erstmal ein Anstandsbesuch auf dem Programm. Einige Tage zuvor wurde der Chef unserer Wachen mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. War inzwischen aber wieder zu Hause und sah schon wieder ganz munter aus.
Nach etwas Gebäck, Obst und dem obligatorischen Tee verabschiedeten wir uns und fuhren in die Innestadt. Wo wir erstmal in einem pakistanischen Restaurant unser Abendessen zu uns nahmen. Zwar gab es wieder Reis. Aber die Soße war so gut, dass es fürs Mal wirklich gut war!
Frisch gestärkt schlenderten etwas durchs nahegelegene Einkaufscenter. Es tat gut mal wieder unter Menschen zu sein. Zwar sprach immer noch keiner wirklich Englisch, aber die bloße Ablenkung war schon sehr angenehm.
Da es mittlerweile schon wieder reichlichspät war, fuhren wir langsam wieder zurück. Zuvor jedoch haben wir uns noch kurz einen der Grenzposten zum Irak angesehen. Leider durfte ich keine Bilder machen. Aber es war schon ein spannendes Erlebnis, die bewaffneten Wachen zu sehen und zu wissen, auf der anderen Seite weht ein ganz anderer Wind.
Tja und so sah mein Zeit in der Iranischen Wüste aus. Auch wenn es mit unter etwas eintönig war, hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe Erfahrungen sammeln dürfen, die mir keiner nehmen kann. Und die in einem "normalen" Praktikum unmögliche gewesen wären.
Eingestellt von TDB 9:14 PM Kommentare (0)

