Montag, 25.5. 2009, hoch über den Wolken im Flugzeug zurück nach Teheran
2x ja!
1.
Ja, ich schreibe wirklich im Flugzeug. Protzen?!? Nein nur Zeitvertreib, weil es nichts "Nicht-Farsi" zu lesen gibt.
2.
JAAAAA!!!!
Es geht mir noch gut. Auch wenn ich lange nichts von mir hören bzw. lesen haben lasse!
So viel dazu! Nun aber von Beginn an!
Am 5.5. war es endlich soweit. Am frühen Morgen bin ich mit dem Leiter meiner Abteilung zum Flughafen gefahren. Nachdem wir dort noch den den Projektverantwortlichen aufgegabelt haben, ging es recht fix in einem uralten russischen Etwas, das entfernt an eine modernes Flugzeug erinnerte in die Iranische Wüste.
Während des Fluges verriet mir das Buch meines Sitznachbars, dass er offensichtlich Deutscher war und so kamen wir etwas ins Plaudern und ich konnte das erste Mal in die Mischsprache Dengsi (Deutsch, Englisch und Farsi) eintauchen, derer sich viele Deutsche hier unten bedienen. Viele Deutsche?!? Ja, richtig gelesen! Es sind erstaunlich viele Deutsche in der Gegend tätig. Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner des Iran. Dies macht sich besonders beim Bau der großen Anlagen bemerkbar, wo deutsches Know-how immernoch groß geschrieben wird.
Das Buch von Gerd, so hieß mein Sitznachbar, barg übrigens eine gewisse Komik in sich. Denn der las im Iran den Roman "der Afghane". Was mich zu der Frage verleitete, ob er sich nicht im Land geirrt hätte. Aber "der Iraner" gibt es leider nicht. Also muss eben das nächstbeste herhalten! ;-)
Die Landung auf der erstaunlicherweise asphaltierten Landbahn in Mahshar war recht unspektakulär. Und so ging schnell raus auf das Flugfeld. Wo ich natürlich erstmal Fotos machen wollte. Jedoch wurde ich von meinem Chef freundlich darauf hingewiesen, dass dies nicht die cleverste Idee sei. Ein Blick auf die Kalaschnikov der örtlichen Wachen, die schon auf meine Kamera blickten, überzeugte mich dann vollends und so habe ich nur mit dem Handy heimlich ein schnelles Bild von Flughafengebäude gemacht. Das hat zum Glück niemand bemerkt.
Jetzt wo ich wieder auf dem sicheren Rückweg bin, kann ich euch auch sagen, wo genau ich mich die letzten 3 Wochen rumgetrieben habe:
Die Gegend nennt sich Arvand und ist ein riesiges Areal , in dem sich jede Menge Petrochemieanlagen befinden. Naja und dieses Gebiet befindet sich im äußersten Südwesten des Iran. Die Grenze zum Irak war schlappe 60-70 km entfernt. Vielleicht habt ihr von dem Urlaubsörtchen schon gehört, dass sich ganz in unserer Nähe befand. Die Tagesschau hat vor einiger Zeit recht regelmäßig darüber berichtet und noch immer ist "Basra" bei den Briten recht beliebt. ;-)
Doch diese räumliche Nähe zum achso beliebten Nachbarland war nicht der Grund, warum ich allein nicht das Haus verlassen durfte. Viel mehr lag es an der generellen Gefahr durch die enorme Armut in der Gegend. Denn auch wenn es für die Unternehmen eine wahre Goldgrube ist. Haben große Teile der Bevölkerung hier kaum mehr als was zum (Über-) Leben nötig ist. Dies und die Probleme mit der Bevölkerung arabischer Abstammung, die hier immer wieder für Zoff sorgen, führte dazu, dass ich nicht, mal zu dem kleinen Laden und die Ecke allein gehen durfte. Weil (übertriebene) Sorge bestand, das ich sonst um die Ecke bebracht WERDE!
(Ja, ich hab schon 5 Mark in die "Schlechtes-Wortspiel"-Kasse gelegt!)
Im Allgemeinen läßt sich über die Gegend leider wenig Schönes sagen!
Die Stadt in der sich unser Gästehaus befand, war wirklich sehr trostlos. Müllbeutel wurde bis zur Abholung auf den Straßen gelagert. Die meisten Straßen, haben eigentlich auch kaum diesen Namen verdient. Denn trotz Asphalt lag noch Loch an Loch. Überall stehen halbfertige Gebäude rum, samt Baumaterialen gleich daneben. Mal mehr meist weniger geordnet. Doch statt Weiterbau ist dort eher Wettverfall angesagt. Das spannende Rennen, was nun zuerst einfällt, Bauruine oder Steinhaufen, zieht sich über Wochen hin. Leider habe ich den gloreichen Sieg der Ruine nicht live mit erleben dürfen.
Es könnte dennoch sein, dass diese Stadt früher mal schön war. Dies lässt sich aber nur an Hand der wenigen ehemals schönen Plätze erahnen. Da sie leider auch dem Verfall unterliegen.
Mit dem Bus geht es jeden Morgen etwa 30-40 Minuten raus in die wirklich Wüste. Dort befinden sich die Industrieanlagen. Man mag es nicht für möglich halten, aber es gibt wirklich Auflagen, die erfüllt werden müssen, um hier bauen zu dürfen. Das findet man jedoch nur raus, wenn man mit den zuständigen Leute spricht. Der alleinige Anblick lässt einen eher Vermuten, dass hier einfach jeder macht, was ihm gerade so in den Sinn kommt.
Unsere Anlage liegt in direkter Nachbartschaft zu einer, die Beton anzumischen scheint und er anderen, deren Sinn und Zweck sich mir noch nicht erschlossen hat.
Was ist das nun für eine Anlage auf der ich mich rumtreibe?!?
Die offizielle Bezeichnung ist: Salzwasch- und Aufbereitungsanlage
Klingt unspektakulär. Ist es im Prinzip auch!
Für alle diejenigen, die es dennoch interessiert erkläre ich es dennnoch kurz. Alle anderen, können einfach zum nächsten springen!
Also:
Nein, wir haben nichts mit dem Salz, das bei euch in der Küche steht zu tun.
Hier handelt sich um Industriesalz, das hier in der Gegend aus natürlichen Vorkommen gewonnen wird. Diese Vorkommen werden schon seit etwa 2 Jahren abgebaut und das Salz einfach im Wüstensand angehäuft und gelagert. Unsere Anlage soll nun dieses Salz reinigen und nutzbar machen. Also wird es nur diverse Wascheinheiten gejagt und kommt am Ende schön sauber raus, wo es dann in ein Wasserbecken geleitet wird und dort gelöst wird. Diese Salzlösung wird dann an ein Elektrolyseeinheit geleitet.
(Alle deren Chemieunterricht zu lange her ist, sollte an dieser Stelle mal den Freund aller Studenten, Wikipedia, befragen!)
Hier geht es weiter, wenn euch die Beschreibung nicht interessiert hat! ;-)
Obwohl diese Anlage eigentlich eher simpel ist, macht ihre schiere Größe einiges wieder wett. Für mich ist es wirklich spannend dort gewesen zu sein und zu sehen wie so eine Anlage funktioniert. Denn auch die einfachste Anlage will erstmal gebaut werden und es gibt immer ein paar Details, die eben doch etwas tückischer sind.
Aber jetzt schreibt der Junge die ganze, er sei in der Wüste und erzählt von allem Möglichen, verliert aber kein Wort darüber, wie die Temperaturen dort sind!!!
Okay, ja, es war schon warm. Und nicht zu sagen heiß und extrem trocken. Gegen Ende meiner Zeit hier hatten wir schon schicke 50 Grad, die sich mit einem konstanten Wind paaren. Wenn ich also von meinem täglichen Rundgang wieder kam, hatte ich deshalb auch stets das Bedürfnis 1 bis 2 Hektoliter Wasser zu trinken.
Wie genau nun mein Arbeitstag aussieht. Wie ich unterbebracht bin und vieles mehr könnt ihr in den nächsten Einträgen lesen!