Reise blog von Travellerspoint

Mai 2009

8. Die Entdeckung der Langsamkeit

Gleiches Datum, immer noch über den Wolken, nur etwas weiter nördlich

Die Uhren hier auf der Site ticken wirklich etwas langsamer! Arbeit scheint zur Nebensache zu werden. Ich sitze mit 6 Kollegen in einem kleinen Kabuff, das zum Glück klimatisiert ist! Fast jeder ist für einen anderen Teilbereich zuständig! Und dennoch hat kaum jemand wirklich viel zu tun. Sollte doch mal was anfallen, wird aber erstmal gecheckt ob bei Travian (ein Onlinecomputerspiel) alles in Ordnung ist, ob nicht noch irgendwer bei Facebook geschrieben hat, oder ob draußen vielleicht Schnee liegt,..... Und wenn ihnen tatsächlich gar nichts mehr einfällt, dann erledigen sie ihre Aufgaben. Die einzige Ausnahme ist, wenn einer der deutschen Ingenieure kommt und mal wieder Druck macht!
So lässt es sich dann auch erklären, warum das Projekt Verspätung hat. Denn die Arbeiter auf der Anlage sind nicht besser, nur das sie keinen PC haben! Aber dafür Handys! ;-)

Meine glanzvoll Aufgabe in dieser Synphonie der Effizienz bestand darin, zu kontrollieren und darüber zu berichten, was so passiert!
Grundsätzlich ja kein Problem. Sollte man meinen. Wenn sämtliche Berichtsvorlagen und auch die Updates der einzelnen Abteilungen auf Farsi sind, wird das ganze schon schwerer. Nahezu unmöglich wird das Ganze dann, wenn die bisherige Berichterstattung, an die ich anknüpfen sollte, quasi nicht existent war! Ich habe die erste Zeit also erstmal damit verbracht alles an Info zu finden, was irgendwie auf zu treiben war! Was leider nicht sehr viel war.
Ein paar Dinge konnte ich jedoch finden, sodass ich endlich was hatte, auf dem ich aufbauen konnte. Mit der Zeit bekam ich auch die Berichte auf Englisch. Es lief dann endlich.
Dennoch habe ich mich in der Zeit nicht gerade totgearbeitet. Vielmehr habe ich die Zeit genutzt um mehr über die Anlage und generell die Arbeitsweise auf so einer Anlage zu erfahren! Was mindestens genauso spannend war!

Über die Abendgestaltung werde ich schreiben, wenn ich wieder auf dem Boden bin.

Bis dahin liebe Grüße!

Eingestellt von TDB 8:53 PM Kommentare (2)

7. Anreise in die Wüste

Montag, 25.5. 2009, hoch über den Wolken im Flugzeug zurück nach Teheran

2x ja!

1.
Ja, ich schreibe wirklich im Flugzeug. Protzen?!? Nein nur Zeitvertreib, weil es nichts "Nicht-Farsi" zu lesen gibt.
2.
JAAAAA!!!!
Es geht mir noch gut. Auch wenn ich lange nichts von mir hören bzw. lesen haben lasse!

So viel dazu! Nun aber von Beginn an!
Am 5.5. war es endlich soweit. Am frühen Morgen bin ich mit dem Leiter meiner Abteilung zum Flughafen gefahren. Nachdem wir dort noch den den Projektverantwortlichen aufgegabelt haben, ging es recht fix in einem uralten russischen Etwas, das entfernt an eine modernes Flugzeug erinnerte in die Iranische Wüste.
Während des Fluges verriet mir das Buch meines Sitznachbars, dass er offensichtlich Deutscher war und so kamen wir etwas ins Plaudern und ich konnte das erste Mal in die Mischsprache Dengsi (Deutsch, Englisch und Farsi) eintauchen, derer sich viele Deutsche hier unten bedienen. Viele Deutsche?!? Ja, richtig gelesen! Es sind erstaunlich viele Deutsche in der Gegend tätig. Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner des Iran. Dies macht sich besonders beim Bau der großen Anlagen bemerkbar, wo deutsches Know-how immernoch groß geschrieben wird.
Das Buch von Gerd, so hieß mein Sitznachbar, barg übrigens eine gewisse Komik in sich. Denn der las im Iran den Roman "der Afghane". Was mich zu der Frage verleitete, ob er sich nicht im Land geirrt hätte. Aber "der Iraner" gibt es leider nicht. Also muss eben das nächstbeste herhalten! ;-)

Die Landung auf der erstaunlicherweise asphaltierten Landbahn in Mahshar war recht unspektakulär. Und so ging schnell raus auf das Flugfeld. Wo ich natürlich erstmal Fotos machen wollte. Jedoch wurde ich von meinem Chef freundlich darauf hingewiesen, dass dies nicht die cleverste Idee sei. Ein Blick auf die Kalaschnikov der örtlichen Wachen, die schon auf meine Kamera blickten, überzeugte mich dann vollends und so habe ich nur mit dem Handy heimlich ein schnelles Bild von Flughafengebäude gemacht. Das hat zum Glück niemand bemerkt.

Jetzt wo ich wieder auf dem sicheren Rückweg bin, kann ich euch auch sagen, wo genau ich mich die letzten 3 Wochen rumgetrieben habe:
Die Gegend nennt sich Arvand und ist ein riesiges Areal , in dem sich jede Menge Petrochemieanlagen befinden. Naja und dieses Gebiet befindet sich im äußersten Südwesten des Iran. Die Grenze zum Irak war schlappe 60-70 km entfernt. Vielleicht habt ihr von dem Urlaubsörtchen schon gehört, dass sich ganz in unserer Nähe befand. Die Tagesschau hat vor einiger Zeit recht regelmäßig darüber berichtet und noch immer ist "Basra" bei den Briten recht beliebt. ;-)

Doch diese räumliche Nähe zum achso beliebten Nachbarland war nicht der Grund, warum ich allein nicht das Haus verlassen durfte. Viel mehr lag es an der generellen Gefahr durch die enorme Armut in der Gegend. Denn auch wenn es für die Unternehmen eine wahre Goldgrube ist. Haben große Teile der Bevölkerung hier kaum mehr als was zum (Über-) Leben nötig ist. Dies und die Probleme mit der Bevölkerung arabischer Abstammung, die hier immer wieder für Zoff sorgen, führte dazu, dass ich nicht, mal zu dem kleinen Laden und die Ecke allein gehen durfte. Weil (übertriebene) Sorge bestand, das ich sonst um die Ecke bebracht WERDE!
(Ja, ich hab schon 5 Mark in die "Schlechtes-Wortspiel"-Kasse gelegt!)

Im Allgemeinen läßt sich über die Gegend leider wenig Schönes sagen!
Die Stadt in der sich unser Gästehaus befand, war wirklich sehr trostlos. Müllbeutel wurde bis zur Abholung auf den Straßen gelagert. Die meisten Straßen, haben eigentlich auch kaum diesen Namen verdient. Denn trotz Asphalt lag noch Loch an Loch. Überall stehen halbfertige Gebäude rum, samt Baumaterialen gleich daneben. Mal mehr meist weniger geordnet. Doch statt Weiterbau ist dort eher Wettverfall angesagt. Das spannende Rennen, was nun zuerst einfällt, Bauruine oder Steinhaufen, zieht sich über Wochen hin. Leider habe ich den gloreichen Sieg der Ruine nicht live mit erleben dürfen.
Es könnte dennoch sein, dass diese Stadt früher mal schön war. Dies lässt sich aber nur an Hand der wenigen ehemals schönen Plätze erahnen. Da sie leider auch dem Verfall unterliegen.

Mit dem Bus geht es jeden Morgen etwa 30-40 Minuten raus in die wirklich Wüste. Dort befinden sich die Industrieanlagen. Man mag es nicht für möglich halten, aber es gibt wirklich Auflagen, die erfüllt werden müssen, um hier bauen zu dürfen. Das findet man jedoch nur raus, wenn man mit den zuständigen Leute spricht. Der alleinige Anblick lässt einen eher Vermuten, dass hier einfach jeder macht, was ihm gerade so in den Sinn kommt.

Unsere Anlage liegt in direkter Nachbartschaft zu einer, die Beton anzumischen scheint und er anderen, deren Sinn und Zweck sich mir noch nicht erschlossen hat.
Was ist das nun für eine Anlage auf der ich mich rumtreibe?!?
Die offizielle Bezeichnung ist: Salzwasch- und Aufbereitungsanlage
Klingt unspektakulär. Ist es im Prinzip auch!
Für alle diejenigen, die es dennoch interessiert erkläre ich es dennnoch kurz. Alle anderen, können einfach zum nächsten springen!
Also:
Nein, wir haben nichts mit dem Salz, das bei euch in der Küche steht zu tun.
Hier handelt sich um Industriesalz, das hier in der Gegend aus natürlichen Vorkommen gewonnen wird. Diese Vorkommen werden schon seit etwa 2 Jahren abgebaut und das Salz einfach im Wüstensand angehäuft und gelagert. Unsere Anlage soll nun dieses Salz reinigen und nutzbar machen. Also wird es nur diverse Wascheinheiten gejagt und kommt am Ende schön sauber raus, wo es dann in ein Wasserbecken geleitet wird und dort gelöst wird. Diese Salzlösung wird dann an ein Elektrolyseeinheit geleitet.
(Alle deren Chemieunterricht zu lange her ist, sollte an dieser Stelle mal den Freund aller Studenten, Wikipedia, befragen!)

Hier geht es weiter, wenn euch die Beschreibung nicht interessiert hat! ;-)
Obwohl diese Anlage eigentlich eher simpel ist, macht ihre schiere Größe einiges wieder wett. Für mich ist es wirklich spannend dort gewesen zu sein und zu sehen wie so eine Anlage funktioniert. Denn auch die einfachste Anlage will erstmal gebaut werden und es gibt immer ein paar Details, die eben doch etwas tückischer sind.

Aber jetzt schreibt der Junge die ganze, er sei in der Wüste und erzählt von allem Möglichen, verliert aber kein Wort darüber, wie die Temperaturen dort sind!!!
Okay, ja, es war schon warm. Und nicht zu sagen heiß und extrem trocken. Gegen Ende meiner Zeit hier hatten wir schon schicke 50 Grad, die sich mit einem konstanten Wind paaren. Wenn ich also von meinem täglichen Rundgang wieder kam, hatte ich deshalb auch stets das Bedürfnis 1 bis 2 Hektoliter Wasser zu trinken.

Wie genau nun mein Arbeitstag aussieht. Wie ich unterbebracht bin und vieles mehr könnt ihr in den nächsten Einträgen lesen!

Eingestellt von TDB 3:13 AM Kommentare (0)

6. Abyane

Der Freitag war dann ganz anderer Natur!
Wir haben uns mit 8 Leute einer größeren Reisegruppe angeschlossen, die das kleine entgelegene Örtchen Abyane besucht hat. Abyane liegt im Gebirge und ist für seine etwas eigenbrödlerischen Einwohner bekannt. Die sich versuchen vom Rest des Landes abzuschirmen. So waren sie auch die letzen, die sich der Islamisierung wiedersetzt haben.
Unser Trip dorthin hatte starken Kaffeefahrtflair. Als wir mit dem Bus auf einem Rastplatz angehalten haben und in einen großen Saal geführt wurden habe ich fest damit gerechnet, dass jeden Moment die Türen zu gehen und die Verkaufsshow losgeht! Jedoch blieben die Türen blieben offen und stattdessen holte jeder sein mitgebrachtes Frühstück raus und es wurde wie üblich Tee serviert.
Im Ort angekommen war ich dann doch arg enttäuscht. Um den Bus herum waren lauter Ruinen von moderneren Häuseren, die nun wirklich nichts mit den Beschreibungen im Reiseführer gemein hatten. Von den alten traditionellen Häusern war nicht viel zu sehen. Außerdem stand erstmal, ganz getreu der Kaffeefahrttradition, ein mittelprächtiges, aber dafür umso reichlicheres Mittagessen auf dem Plan.
Als es dann in den eigentlich Ort endlich rein ging, wurde die anfängliche Enttäuschung etwas abgeschwächt. Es gab wirklich schöne Flecken und wenn man sich etwas auf das Spiel eingelassen hat, war es wirklich schön dort. Es gab viele verwinkelte Wege und man läuft auf den Dächern der unteren Ebenen um zu den oberen zu kommen.
Was mir nicht so sehr gefallen hat, war wie die Einheimischen von den Iranern behandlet wurden. Ich kam mir vor wie einem Zoo, in dem exotische Tiere besichtigt werden. Da wurde mit ihnen posiert, gesagt wie putzig sie sind und auch die eine oder andere abfällig Bemerkung kam vor. Deshalb war ich froh, dass unsere Truppe die Gegend allein erkundet hat.
Auf der Rückfahrt gab es dann Party im Bus und die Zeit bis zur Ankunft verging recht schnell.

Abschließen möchte ich dieses kleinen Überblick mit einer für uns geradezu himmlischen Entwicklung. Seit gestern haben wir eine Art kleine Mini-Waschmaschine. Wir müssen unsere Klamotten also nicht mehr von Hand waschen. Wieder ein kleines Stück Komfort mehr! YEAH!!!

Eingestellt von TDB 3:01 AM Kommentare (0)

5. Sight-seeing und gemütlicher Abend

Samstag, 2. Mai 2009, Mittagspause bei der Arbeit

Hinter mir liegt ein recht aktives Wochenende. Um den Lesekomfort für euch etwas zu steigern, teile ich es mal in Zwei Beiträge.

Nachdem ich am Donnerstagmorgen endlich mal wieder etwas FST-Arbeit aufholen konnte, bin ich mit meinem Chef und zwei seiner Freunde in einen netten kleinen Palast gefahren. Dort haben wir haben uns angesehen, wie die Königsfamilie früher vor der Revolution gelebt hat. Irritierend war nur, dass dieses früher noch gar nicht allzu lange her ist. Gerade mal 30-40 Jahre. So konnte man bei den Spielzeugen des jungen Prinzen auch den einen oder anderen "Transformer" entdecken. Spielzeug, das man selber noch kennt! Da es die ganze Zeit geregnet hat, konnten wir den wunderschönen Park kaum genießen.
Die Parks hier in Teheran sind einfach toll. Es gibt sie überall mitten in der Stadt. Manchmal von hohen Mauern umgeben, manchmal auch nur durch einen kleinen Graben. Aber immer ist es so groß, dass man darin sein Ruhe finden und den Alltagslärm und die Hektik um einen rum für einen Augenblick vergessen kann. Nur die Hochhäuser um die Parks herum erinnern einen noch daran, dass man noch in der Stadt ist. Es gibt seichte Musik und es geht im Allgemeinen sehr entspannt zu.
Im Anschluss an das Sight-seeing stand Einkaufen auf dem Plan. Denn abends sollte ich für die ganze Bande kochen. So sind wir also von Laden zu Laden getingelt bis wir alles für die Lasagne gefunden haben. Das unübertroffene Highlight dabei war eindeutig die Konditorei. Lauter völlig kalorienfreie, leichte Kost! Creamtörtchen, Sahnebisquitrolle, gefüllte Windbeutel, Torten,........ Man wollte sich einmal von links nach rechts durch essen. Leider fand der Inhaber die Idee nicht so gut. So haben wir dann, wie es hier üblich ist, etwas mehr als 1 kg der verschiedensten "Sündenstücke" gekauft. Kaum zu Hause angekommen würden die ersten dann auch schon zum Tee verspeist. Hmmmm, manchmal ist es die Sünde eben Wert! ;-)
Das anschließende Kochen war sehr lustig und überaus unterhaltsam. Mir wurde von der Frau meines Chefs und ihm höchstpersönlich assistiert und so haben wie alle drei unser "Küchenenglisch" verbessert, während die anderen Gäste Karten gespielt haben.
Ich habe den Abend wirklich genossen. Es waren viele unterschiedliche, wirklich interessante Leute da. So habe ich einiges über das Leben als Jounalist im Iran erfahren, bin zu einem klassischen Konzert eingeladen worden, dem ich hoffentlich tatsächlich noch beiwohnen kann. Und habe von etlichen Faux-pas in Lebensläufen gehört. Natürlich von anderen, nicht in meinem! ;-) So ist es z.B. unvorteilhaft in einer internationalen Bewerbung die deutsche Abkürzung "BRD" zu verwenden. Bis ich es aufgeklärt habe, war niemandem klar, was damit denn nun gemeint war.
Ganz nebenbei habe ich dann, durch eine wirklich gelungene Lasagne, den Nachweis erbracht, dass ich bezüglich des Hobbies Kochen in meinem Lebenslauf nicht gelogen habe. Was mein Chef dann natürlich gleich als Vorlage genommen hat, in Zukunft noch mehr Angaben zu testen. Ich war erleichter, das Hausputz, Waschen, Bügeln und den Garten pflegen nicht zu meinen Hobbies gehört. Was er wiederum etwas enttäuschen fand.

Die Lasagne hat, besonders nach der Teebeilage, gut gesättigt, so dass es heute Mittag in der Firma die Reste gab.

Eingestellt von TDB 2:50 AM Kommentare (0)

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