Ursprünglich wollte ich den Eintrag gestern schon abschicken, aber dazu blieb keine Zeit mehr! Nun habe ich den Eintrag etwas abgeändert und nehme nun auch Bezug auf die Ereignisse des gestrigen Abend!
Das letzte Freitagsgebet war hoffnungslos überlaufen. Bis direkt vor unserer Haustür hockten die Leuten auf ihren Gebetsteppichen und lauschten den Reden aus den voll aufgedrehten Lautsprechern.
Es war eine unglaubliche Lautstärke. Ich bereue es immer noch, dass ich keine Pläne gemacht habe wo anders zu sein. Denn für gute 5 Stunden war es nicht für eine Sekunde still. Man konnte selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen seine eigenen Gedanken nicht verstehen.
Der Grund für diesen Andrang war der mit spannung erwartete Auftritt von Imam Chamenei. Erwartet wurde, dass er Stellung bezieht und sich zu den Umständen der Wahl äußert. Außerdem gab es Pläne während seine Rede zu protestieren.
Von alle dem ist jedoch nichts geschehen. Die Protest blieben aus. Stattdessen waren nur jene fanatische Anhänger da, die den ganzen Schmarrn ohne wenn und aber glauben. So verwunderten dann auch nicht die frenetischen Beifallsstürme, während Chameneis Rede. Alles was er jedoch von sich gab war der gewohnte "Bullshit" (um eine hisige Freundin zu zitieren). Die Wahl wäre rechtmäßig gewesen, sie werde nicht wiederholt und A. bliebe Präsident. Die Aufmärsche wurden aufs Neue verboten und härteres Vorgehen angekündigt. Erlaubt sei das harte Vorgehen deshalb weil ja nur Amerikanische und Britischen Spione auf den Straßen demonstrieren. Ich bin mir immer noch nicht sicher, wer nun mehr einen an der Klatsche hat. Unser großer Redenschwinger, der sich so was ausdenkt, oder die Geistigarmen die es ihm tatsächlich abkaufen...
In der Praxis sah diese Ankündigung dann wie folgt aus:
Sämtliche Hauptstraßen, die als Versammlungsorte bekannt sind, waren übersät mit Militär. Uniformen in sämtlichen Farben waren vertreten, blau, braun, grün... Gemein hatten alle, die schwarze Schutzkleidung darüber, die Helme und nicht zu vergessen die Schlagstöcke. Die Waffenholster waren zu mindest in der Anfangszeit noch leer und dienten eher der Abschreckung. Dennoch wird einem schon etwas anders, wenn man die Straße entlang geht und links und rechts diese liebreizenden Personen um sich hat. Selbst das Wissen, dass diese Jungs nen Teufel tun werden und am hellerlichten Tag auf einen Ausländer einzuschlagen.
Das wäre wohl so ziemlich das letzte was sie tun würden. Deshalb war es auch gefahrlos möglich noch schnell ein paar Einkäufe zu erledigen um den Abend in der Unterkunft zum wiederholten Male zum gemeinsamen Kochen zu nutzen. Einzig, man fühlte sich leicht beobachtet.
Wendet man sich jedoch von der Hauptstraße ab, sieht man ein leicht anderes Bild. Eines das einen noch mehr schockt, wenn man die Hintergründe kennt. Denn in den kleineren Straßen stand am jeder Ecke eine Gruppe von Einheiten in Zivil. Jene Einheiten, die nicht unter Führung der Regierung stehen. Jedenfalls nicht offiziell! Auffällig war jedoch, dass sie plötzlich auch Helm, Schild und Schlagstück hatten. Diegleichen, die auch die offiziellen Einheiten auf der Hauptstraße hatten. Außerdem scheinen es auch keine Iraner zu sein, sondern (so wurde mir erzählt) Hizbolla-Angehörige aus dem Libanon.
Setzt man das Bild nun zusammen erkennt man den Plan dahinter.
In einem ersten Schritt soll durch diese Übermacht verhindert werden, dass es überhaupt zu Versammlungen kommt. Denn wer stellt sich schon als erster auf einem Platz umzingelt von Militär und hält sein Schild hoch um zu demonstrieren.
Sollte es den Leuten dennoch gelingen sich zu versammeln, sollen sie mit aller Macht wieder auseinander und rein in die kleinen Straßen getrieben werden. Dort "kümmern" sich dann unsere speziellen Freund um den Rest.
Es wird also mit Nachdruck versucht den Willen zum Widerstand zubrechen. Bisher halten sich unser "Amerikanischen und Britischen Spione" jedoch recht wacker und von den Dächern der Stadt ertönen jede Nacht aufs Neue die Rufe nach einem Neuanfang.
Kurz möchte ich noch auf eine weitere Strategie der Regieung eingehen. Diese besteht darin, die Demonstranten zu diskreditieren. So gehen bei weitem nicht alle Zerstörungen auf das Konto der Aufständler. Zwar sind wahrlich nicht alle von ihnen fromme Lämmer. Dennoch wollen die meisten Leute auf der Straße nur friedlich ihrem Willen zum Ausdruck bringen. Viele zerstörte Gebäude und Brände gehen auf das Konto von jenen zivilen Einheiten, die so die Demonstranten als Terroristen brandmarken wollen.
Der bisher dreisteste Versuch war das angebliche Selbstmordattentat auf das Mausoleum. Zwar hat sich dort wirklich jemand in die Luft gesprengt. Doch das bestimmt nicht freiwillig, sondern durch einen gewissen Druck von außen. Die Demonstranten hatten letzte Nacht andere Sorgen als sich um so etwas zu kümmern.
Jetzt ist es doch wieder mehr geworden, als gedacht. Aber wenn man sich erstmal warm geschrieben hat, fällt einem immer mehr ein!
Nun werde ich mich aber erstmal wieder meinen Förderanlagen zu wenden.
Macht es gut und glaubt mir, dass die Lage hier nach wie vor gut einschätzbar ist und ich in Sicherheit bin!
PS: Ich habe eine neue Einstellung gefunden, die es ermöglicht nun auch ohne Anmeldung Kommentare zu hinterlassen. Viel Spaß! ;-)